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Wir müssen jungen Menschen auf Augenhöhe begegnen

NWZ, 09.02.2018

von Dirk Wieting


Der betriebliche Ausbilder Volker Werhahn mit einem der Auszubildenden bei der Brettmontage in der Ausbildungswerkstatt.


Das Elektrohandwerk bietet gute Karrierechancen. Fähige Fachkräfte werden immer gesucht, eine Ausbildung bietet interessante Themenfelder. Ein Interview mit Elektromeister Harald Meyer aus dem Oldenburger Landkreis.

In diesem Jahr wird in Ganderkesee eine Ära zu Ende gehen. Der Inhaber und Firmengründer von Meyer Technik überlässt seinen Nachfolgern das operative Geschäft und übernimmt nach 41 Jahren den Vorsitz des neu gegründeten Beirates. Der Beirat wird sich mit der Kontrolle und der zukünftigen strategischen Ausrichtung des Unternehmens befassen. 1977 machte sich Harald Meyer mit einem Elektrohandwerksbetrieb selbstständig. Stetig wuchs das Unternehmen und heute sind bei Meyer Technik 190 Mitarbeiter beschäftigt und davon 30 Auszubildende in vier verschiedene Berufe (Elektroniker für Energie & Gebäudetechnik, Elektroniker für Betriebstechnik, Metallbauer und Kauffrau/-mann für Büromanagement). Für eine innovative Ausbildung der jungen Generation, wurden dem Unternehmen schon mehrere Preise verliehen. Mit „Handwerk Spezial“ blickt Harald Meyer nicht nur zurück.

Sie haben sich beruflich für das Elektrohandwerk entschieden. Gab es für Sie auch schon einmal andere berufliche Ambitionen?

Harald Meyer: Da meine Eltern einen landwirtschaftlichen Betrieb hatten, wäre „Landwirt“ eine Option gewesen. Bei uns in der Gemeinde Dötlingen gilt das „Ältestenrecht“ und daher hat mein Bruder den elterlichen Hof übernommen. Ich habe mich dann für den Beruf des Elektroinstallateurs entschieden.

Was fasziniert Sie besonders an Ihrem Beruf?

Harald Meyer: Das Elektrohandwerk ist sehr vielseitig. Es gibt ständig Neuerungen und Herausforderungen. Die verschiedenen Berufe, die im Elektrohandwerk möglich sind, haben Zukunft. Ohne Strom geht nichts und Strom wird es auch noch in 100 Jahren geben.

Wie entstand der Wunsch nach dem eigenen Unternehmen?

Harald Meyer: Das Vorhaben, eine eigene Firma zu gründen, hatte ich schon länger. Dann ging es doch schneller als erwartet. Als Elektromeister habe ich in einem Ingenieurbüro gearbeitet. Als die beiden Inhaber geschäftlich getrennte Wege gingen, war ich plötzlich arbeitslos. Da fasste ich den Entschluss, mich selbstständig zu machen. Meine Garage diente als Lager und im Keller hatte ich mein Büro.

War es schwer, immer mit den neuesten Entwicklungen mitzugehen?

Harald Meyer: Die gesamte Elektrotechnik hat sich verändert, nicht zuletzt durch die Digitalisierung. Da war es nicht immer einfach, die eigenen Mitarbeiter für die ständigen Veränderungen zu gewinnen und zu überzeugen. Für mich war es immer wichtig, die Mitarbeiter bei jeder Veränderung mitzunehmen.

Welches Projekt war in den vergangenen Jahren Ihre größte Herausforderung?

Harald Meyer: Das war der Bau der 4. Röhre beim Hamburger Elbtunnel, wo wir für die gesamte Brandschutztechnik zuständig waren. Ein weiteres großes Projekt war das Rechenzentrum der Deutschen Bundesbahn in Berlin. Hier waren wir für die Elektro-und Energietechnik zuständig.

Die Ausbildung früher und heute. Was hat sich am meisten geändert?

Harald Meyer: Früher stand die praktische Ausbildung klar im Vordergrund. Ich habe in meiner Ausbildung sogar noch bis Samstagmittag gearbeitet. Heute wird mehr theoretisches Wissen vermittelt. Für mich sind die Auszubildenden eine Investition in die Zukunft.

Welche Herausforderungen werden Ihre Nachfolger zu bewältigen haben?

Harald Meyer: Eine große Herausforderung wird sein, gute Mitarbeiter zu halten und zu bekommen. Damit auch in Zukunft interessante Projekte bearbeitet werden können. Auch bei Meyer Technik wird es einen Genrationswechsel geben, denn einige langjährige Mitarbeiter werden in absehbarer Zeit in den Ruhestand wechseln.

Was muss passieren, um junge Menschen für das Handwerk zu gewinnen?

Harald Meyer: Wir müssen junge Menschen auf Augenhöhe abholen und falls notwendig schulisch unterstützen. Diesen Aufwand müssen wir uns stellen. Ganz wichtig ist den Auszubildenden beizustehen und ihnen eine Orientierung geben. Der Fachkräftemangel bleibt eine der größten Herausforderungen für das deutsche Handwerk. Um mehr Mitarbeiter zu binden ist es notwendig, flächendeckende Tarifverträge so zu gestalten, dass eine Abwanderung der Mitarbeiter in die Industrie verhindert wird. D.h. zum Beispiel eine bessere Bezahlung.

Zum zweiten Mal in Folge wurde Meyer Technik (Brandschutz-Elektro) mit dem „Elmar“ ausgezeichnet. Hier zeichnet die Elektrohandwerks-Branche ihre besten Arbeitgeber aus. Die Jury bescheinigte Firma Meyer u.a. eine „hervorragende Arbeitgeberqualität“. Wobei Menschlichkeit dabei zum Markenkern gehört. Warum ist Ihnen Menschlichkeit so wichtig?

Harald Meyer: Die Mitarbeiter verbringen einen großen Teil ihres Lebens bei uns im Betrieb. Daher begegnen wir jedem Mitarbeiter auf Augenhöhe. Für uns ist eine Raumpflegerin genauso wichtig, wie ein zum Beispiel ein Ingenieur. Mitarbeiter, die nicht ernst genommen werden, haben keine oder wenig Motivation.


Elektromeister Harald Meyer

Quelle: https://www.nwzonline.de/themencontainer/bilanz-wir-muessen-jungen-menschen-auf-augenhoehe-begegnen_a_50,0,3567770585.html

 

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